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Tagungsthema

MultiPluriTrans

Emerging Fields in Educational Ethnography

 
                                             
     
  Zu den wenig problematisierten Selbstverständlichkeiten der erziehungswissenschaftlichen Theorie und Forschung gehört es, pädagogische Phänomene in der Einheit von Zeit, Raum, Person und Handlung und auch diese Elemente selbst gegenständlich zu denken und zu beobachten. Der Erfolg ethnographischer Forschung in der Erziehungswissenschaft beruht nicht zuletzt auf diesem Naturalismus. Denn zu den Vorzügen ethnografischer Forschung gehört, die Erziehungswirklichkeit in der physischen Kopräsenz der Forscherinnen und Forscher zu beobachten.  
     
  Diese Selbstverständlichkeit wird in der erziehungswissenschaftlichen Diskussion jedoch mehr und mehr in Frage gestellt und durch Gegenstandsvorstellungen ersetzt, welche die Lokalität und Modalität pädagogischer Phänomene dynamischer auffassen. Dies ist auch eine Folge ethnografischer Forschung. Sie untersucht beispielsweise politische Strukturen und gesellschaftliche Diskurse nicht mehr nur als äußere Bedingungen des Handelns in pädagogischen Feldern, sondern als integrale Bestandteile seiner Vollzugspraxis. Diese Praxis wird zudem nicht mehr nur lokal, sondern in hybriden, verstreuten, vernetzten, transnationalen und damit überlokalen Figurationen gedacht und beschrieben. Damit schärft sich auch der Blick für ihre interne Diversität. Dies betrifft zum einen etwa ethnische, geschlechtsbezogene, sprachliche, generationale Differenzen und ihre Verflechtungen. Zum anderen rückt die Vielförmigkeit der Prozesse von Erziehung, Bildung, Lernen und Hilfe in den Fokus. Nicht zuletzt wird zunehmend in Frage gestellt, ob nur Menschen in pädagogischen Feldern handeln, oder ob nicht auch Objekte, Räume, Körper und Artefakte als aktive Partizipanden pädagogischer Vollzugswirklichkeiten in den Forschungsprozess einbezogen werden müssen. Kurz: Wo sich die Orte und Zeiten von Erziehung, Bildung und Sozialer Arbeit finden lassen, wer ihre Akteure und Adressaten sind und wie sich dabei pädagogisches Handeln und Lernen vollzieht, ist von einer Grundannahme zur Aufgabe der Forschung geworden.  
     
  Mit dem Titel „ MultiPluriTrans. Emerging Fields in Educational Ethnography “ knüpft die Luxemburger Tagung an die Tendenzen in der ethnographischen Forschung an, sich der Translokalität und Pluralität von Erziehungswirklichkeiten, den multilingualen, -kulturellen und -modalen Bedingungen pädagogischer Praxis sowie den komplexen Relationen von lokaler Praxis und nationalen/globalen Transformationen und Politiken zuzuwenden.  
     
  Die Tagung zielt darauf, die Innovationen, Potentiale und Ambivalenzen dieser Forschungsstrategien auszuloten und fragt nach dem spezifischen Beitrag, den sie zu Empirie und Theorie in der Erziehungswissenschaft leisten.